Unter dem Motto "Prozessexzellenz mit Business Software" fand am 19. September in Basel bereits zum 7. Mal der eXperience Event statt. Die als "Schweizer Networkings- und Weiterbildungsevent von Anwendern für Anwender" angekündigte Tagung konnte wiederum fast 200 Besucher nach Basel locken.
Das Competence Center E-Business Basel bereitet seit vielen Jahren empirische Best Practice Lösungen nach einem theoretisch fundierten Raster auf. Diese Fallstudien werden in der Online-Fallstudiendatenbank und als Buch veröffentlicht und teilweise am eXperience Event präsentiert.
Kann Business Software tatsächlich zu Prozessexzellenz verhelfen, wie das Leitthema der Veranstaltung insinuierte? Insgesamt ist der diesjährige eXperience Event den Beweis dafür schuldig geblieben.
In seiner Keynote zeigte Dr.-Ing. Heinrich Zetlmayer, IBM Global Business Services zwar einige historische und aktuelle Zusammenhänge zwischen Innovation und Technologie auf. Er konnte diese aber mit dem eher unglücklich gewählten Beispiel von Erfolgsfaktoren bei CRM Implementierungen nicht wirklich überzeugend illustrieren. So wurden die Zuhörer mit einem Sammelsurium von Schlagwörtern, aber grundsätzlich ohne Argumente in die praxisorientierten Sessions entlassen.
Die Fallstudien zur Kundenbindung in der Maschinen- und Metallindustrie hätten unterschiedlicher nicht sein können. Nach einem belanglosen Einführungsreferat stellte die Serto AG ihre Kanban-Lösung für Grosskunden vor. Nun ist Kanban heute aber nicht mehr exzellent, sondern state of the art. Umso schlimmer, wenn so ein System mit mehreren Medienbrüchen implementiert wird und aus den Margen finanziert werden muss. Fazit: Da musste SAP als Themensponsor wohl einfach auf Biegen und Brechen einen Case in der Session haben.
Wesentlich überzeugender fiel die Präsentation der After Sales Service Lösung von Aebi auf der Basis von Actricity aus. Nicht zuletzt dank des wertvollen Inputs und der amüsanten Vortragsweise von Prof. Rolf Gasenzer, der diese Fallstudie begleitete, war dieser Beitrag von echtem Nutzen.
Auch in der Session zur Auftragsabwicklung in der Sanitär- und Elektrobranche ergaben die beiden Fallstudien (ohne auf das wiederum völlig überflüssige und inhaltsleere Einführungsreferat weiter einzugehen) ein unterschiedliches Bild.
Neoperl muss man immerhin zugute halten, dass eine internationale Distributionslösung realisiert wurde, ohne eine Zeile am Sourcecode von OpaccOne zu ändern. Das spricht für die hochflexiblen Customizing-Möglichkeiten dieses ERPs. Aber andererseits wurde auch nichts anderes gemacht, als Niederlassungen via Browser oder Citrix Client ans Mutterhaus anzubinden. Zudem wurden jegliche Individualisierungsgelüste der Ländergesellschaften rigoros abgewürgt und die Prozesse wo immer möglich an die Vorgaben des ERP angepasst. Ist das eine Form von Exzellenz? Vermutlich schon, aber kaum dank der Business Software.
Glücklicherweise zündete der Elektro-Grosshändler Otto Fischer AG im zweiten Teil der Session noch ein wahres Feuerwerk. Ein Grossteil der täglichen Bestellungen trifft dort zwischen 1700 und 1800 ein, wird bis 1830 gerüstet und am anderen Morgen bis 0700 auf die Baustelle geliefert. Wahrlich eine Herausforderung, die nach Prozessexzellenz und massiver IT-Unterstützung ruft. Der papierlose Warenfluss, den Projektleiter Roger Altenburger vorstellte, wusste die Zuhörer zu begeistern. Die Kombination von mobiler Datenverarbeitung, Optimierung der Kommissionierwege im ERP und nahtloser Integration wurde dem Leitthema als einzige Fallstudie wirklich gerecht.
Damit hatte die Veranstaltung ihren Höhepunkt erreicht, den ich mit dem Besuch der abschliessenden Podiumsdiskussion nicht mehr in Gefahr bringen wollte.
Es bleibt die Hoffnung, dass die Konzentration von Fallstudien mit echtem Vorbildcharakter im nächsten Jahr noch steigern lassen wird. Der eXperience Event 2007 findet voraussichtlich am 11. September statt.