"Volltextsuche online" des Buchhandels schlingert

Ein Interview von heise mit dem Chef des Börsenvereins des deutschen Buchhandels zeigt klar auf, dass das Projekt "Volltextsuche Online" weiterhin ziemlich plan- und konzeptlos dahinschlingert. Keine Verlagspartner, kein Rechtekonzept, keine technische Lösung, dazu Widersprüchliches zum Thema Google. Alles wie gehabt.

Wir bleiben gespannt auf den Prototypen zur Buchmesse im Oktober.

Yahoo Finance wird aufpoliert

Wohl als Reaktion auf das im Frühjahr lancierte, aber bisher nicht sonderlich erfolgreiche Google-Finanzportal erfährt Yahoo Finance einige Neuerungen.

Inhaltlich wird das weiterhin führende Portal um interaktive Kursgraphiken, verbesserte Message Boards und businessorientierte Videos von Content-Partnern wie ABC.com, CNN.com und Forbes.com erweitert.

Website-Betreiber können zukünftig flashbasierte Yahoo Finance Badges in ihre Seiten integrieren und so den zeitlichen Verlauf von Aktienkursen und dazugehörige News live zB in einem Blog anzeigen. Die Badges sind gratis, für die Konfiguration ist allerdings eine Yahoo ID erforderlich.

(via TechCrunch)

Google erringt Teilsieg gegen deutsche Verlage

Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft ist mit Ihrem Anliegen, Google Book Search das Digitalisieren von urheberrechtlich geschützten Inhalten per einstweiliger Verfügung zu verbieten, beim Landgericht Hamburg aufgelaufen. Mit dem Entfernen der WBG-Inhalte nach Abmahnung ("opt-out") hat Google seinen Pflichten nach Beurteilung der Richter Genüge getan.

WBG hat den Antrag, der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels unterstützt wurde, "auf Hinweis des Gerichts" zurückgezogen. In der offiziellen Pressemitteilung gibt man sich aber nicht geschlagen und träumt weiter von einer "einvernehmlichen zukunftsweisenden Lösung" auf der Basis des Projekts (und vermutlichen Rohrkrepierers) "Volltextsuche online".

Wesentlich professioneller fällt die Berichterstattung von Google aus: eine kurze Wiederholung der Prinzipien, an die sich Google trotz aller Befürchtungen selbstverständlich hält, und die geschickte emotionale Rückbesinnung auf "don't be evil":

Google is passionate about the digitization of books, which we believe benefits everyone by making the world's knowledge more accessible. And we're also passionate about being responsible partners who can work closely with our thousands of partners around the world – publishers, authors and libraries – to help make this dream a reality.

Weitere Ressourcen zum Thema bei Google:
Facts&Fiction
Legal Analysis

 

Shakespeare's Gesamtwerk auf Google Books

Google macht das Gesamtwerk von Shakespeare auf Google Books zugänglich.

Abgesehen davon, dass dieser Showcase einen guten Einblick in die Möglichkeiten von Google Books gibt, stellt er natürlich auch PR in Sachen Copyrightgezänk dar.

So wird in Inside Google Book Search ausdrücklich erwähnt, dass Werke mit umstrittenem Status nicht überall im Volltext zugänglich seien, man sich aber bitte melden solle, falls ein Werk doch nicht mehr copyrightgeschützt sei...

Erneut juristisches Ungemach für Google

Google wird nun auch in Frankreich wegen Google Print vor den Kadi gezerrt. Die Verlagsgruppe La Martinière hat sowohl Google France wie auch das US-Mutterhaus wegen Verletzung der Urheberrechts verklagt (via heise).

Der Schritt erstaunt, hatte doch Larry Page himself den Franzosen (und Deutschen) eine Kooperation angeboten, die entgegen der üblichen Praxis ein opt-in-System, dh die ausdrückliche Zustimmung der Verlage zur kompletten Digitalisierung ihrer Inhalte vorsah.

PS La Martinière scheint auch sonst nicht allzu viel vom Internet zu halten: auf der Website befindet sich die Zeitrechnung der "actualités" im Februar 2006...

 

Deutsche "Volltextsuche Online" angeblich auf Kurs

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels lässt verlauten, dass sein Projekt "Volltextsuche Online" gestartet sei. Im Gegensatz zu Google und Konsorten sieht das Konzept vor, dass die Inhalte weiterhin auf den Servern der Verlage gespeichert werden sollen.

Wie heise schreibt,
sollen Suchmaschinenbetreiber über ein gemeinsames Netzwerk die Möglichkeit bekommen, die Volltexte der Bücher zu durchsuchen und für die Kunden findbar zu machen.
Und weiter (sic!):
Finanzielle und technische Details sollen kurzfristig mit den technischen Dienstleistern geklärt werden, damit ein Prototyp der Suchmaschine schon auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober vorgestellt werden kann.

So weit so gut...
warum ich trotzdem nicht für fünf Sekunden an dieses Projekt glaube:
  • Den Kampf gegen die eigenen Kunden kann man nur verlieren - wenn schon Universitätsbibliotheken mit Google zusammenspannen, dann ist das der zu akzeptierende Lauf der Dinge.
  • Die Urheberrechtsproblematik in diesem Kontext wird mittelfristig juristisch gelöst und in die Praxis umgesetzt werden, ohne dass die Inhaltserzeuger auf der Strecke bleiben. Damit fällt die Motivation für das Projekt dahin.
  • Die hochkomplexen Indexierungsalgorithmen der Suchmaschinenbetreiber arbeiten am besten, wenn sie frei auf den kompletten Content zugreifen können. Eine Zwischenstufe für eine bescheidene Million Euro, die zudem vor allem an den Schutz der Inhalte denkt, wird mit Sicherheit zu einer schlechteren Indexierung führen.
  • Innert vier Monaten sowas hochzuziehen, wenn im Moment weder das Geld noch das technische Konzept vorhanden sind, ist doch sehr ambitiös ...
  • Die Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt ist mangelhaft - jede Web2.0-Applikation hat vier Monate vor der geplanten Vorstellung mindestens eine Landing page im Internet. Da könnte der Börsenverein - wohl schlecht beraten auf unbekanntem Terrain unterwegs - viel von zB Microsoft lernen.

Komfortablerer Reader für Online-Bücher von Amazon

Amazon hat den neuen Amazon Online Reader vorgestellt.
(via SearchEngineWatch)

Zu den Such- und Browsingfunktionalitäten für Titel des Search Inside!-Programms kommen Kommentar-, Markier- und Druckfunktionen für über Amazon Upgrade gekaufte Online-Bücher.

Für einen solchen Zugang muss weiterhin zuerst der entsprechende Print-Titel gekauft werden.

Windows Live bringt Buch-Suchmaschine

Nach Google und Amazon beginnt nun auch Microsoft mit dem Scannen und Indexieren von Büchern.

Für den neuen Dienst Windows Live Books, der im Laufe des Jahres online gehen soll, wird bereits jetzt aktiv Content akquiriert. Jedes Werk mit gültiger ISBN-Nummer kommt für die Aufnahme in Frage, unabhängig von Sprache, Autor und aktueller Auflage.

Die FAQ sind auch aufschlussreich, was zukünftige Geschäftsmodelle angeht: offensichtlich wird auch an Möglichkeiten rumstudiert, Online-Zugang zu den Volltexten gegen Geld zu ermöglichen.

Die Verfügbarkeit der Inhalte in elektronischer Form erleichtert die kommerzielle Verwertung des "Long Tail" nachgewiesenermassen erheblich.

Neue Initiativen wie Print-On-Demand von Amazon werden insbesondere auch vergriffene Bücher wieder vermehrt in den Fokus des Interesses rücken.

Literatursearch mit Google Scholar und Windows Live

Nachdem Microsoft mit Windows Live Academic einen Suchdienst für wissenschaftliche Publikationen (vorerst in den Gebieten Informatik, Physik und Elektrotechnik) lanciert hat, zieht Google Scholar umgehend neue Trümpfe aus dem Ärmel.

Neben einer Version auf Deutsch steht nun auch eine Sortierfunktion "recent articles" zur Verfügung, die nicht nur die blosse Chronologie der Publikationen, sondern auch die Bedeutung und Zitierhäufigkeit des Autors und seiner früheren Artikel berücksichtigt.

Google Scholar exportiert zudem bibliographische Daten nach BibTeX, EndNote, RefMan und RefWorks, während sich Microsofts Tool derzeit mit BibTex und EndNote begnügt.

Beide Suchmaschinen verlinken direkt auf die Seite des Artikel beim Verlag. Das Benutzerinterface von Google Scholar ist schnörkellos und besticht zudem durch eine per Mausklick verfügbare Liste der Papers, die einen gefundenen Artikel zitieren.

Das Niveau spezialisierter Tools erreichen beide Suchmaschinen sicherlich noch nicht, aber man darf gespannt sein auf die weitere Entwicklung.

Einige Versuche mit mir noch schwach präsenter Studienmaterie wie zB "cavity dumping" ergaben jedenfalls durchaus brauchbare Resultate.

(via Recherchen-Blog, Golem.de und SearchEngineWatch)

Plattform zur Revision des Schweizerischen Urheberrechtsgesetzes

Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum lanciert urheberrecht.ch, eine Plattform zur Revision des Schweizerischen Urheberrechtsgesetzes.

(via iusletter)

In sehr übersichtlicher Form wird sowohl eine Auslegeordnung der aktuellen Debatte präsentiert wie auch der Hintergrund, dh die bestehenden oder zu übernehmenden Gesetze ausgeleuchtet.

Dem "Streitfall Internet" ist eine eigene Rubrik gewidment, die erfreulich neutral auf die Thematik des Digital Rights Management eingeht.

Beiträge 21 - 30 / 50