Über 95% der B2B-Integrationen in der Lebensmittelindustrie basieren auf klassischem EDI oder "modernen" Varianten davon (Internet-EDI und browserbasiertes WebEDI). Direkte oder indirekte Integrationen auf XML-Basis fristen daneben ein eher kümmerliches Mauerblümchendasein.

Diese doch einigermassen ernüchternde, wenn nicht gar erschreckende Schätzung machte Ralf Wölfle vom Competence Center E-Business Basel der FHNW gestern in seinem Vortrag am Ramco-Kompaktseminar "Supply Chain Management" in Suhr.

Schlimmer noch: Dei beträchtlichen Investitionen der grossen Detailhändler in aufwändige EDI-Lösungen müssen erst einmal amortisiert werden. Es ist also damit zu rechnen, dass sich EDI als Technologie noch jahrelang wird halten können, obwohl längst flexiblere, offenere und damit auch günstigere Lösungen zur Verfügung stehen.

Eine raschere Entwicklung in Richtung der "echten" Internet-Integrationen erwartet Ralf Wölfle nur in Branchen, welche - sei es durch massive Nachfrageveränderungen, sei es durch Impulse von neuen Mitbewerbern (zB Online-Reisebüros) - ohnehin vor grösseren Umwälzungen stehen.

Es gibt aber auch Lichtblicke:

  • Eine Jet-Umfrage von IMC hat im April 2006 ergeben, dass 70% der antwortenden Unternehmen ihre IT-Investitionen in die Bereiche Warenwirtschaft und Logistik fliessen lassen wollen. Die Supply Chain wird damit gegenüber den administrativen Prozessen klar bevorzugt.
  • Die Initiative der FHBB zur Gründung eines B2B-Forums stösst auf reges Interesse. Die Enwicklung der elektronischen Lieferantenanbindung wurde als eines der beiden Kernthemen identifiziert.

(Die Initialveranstaltung des B2B-Forums findet voraussichtlich am 28.6.2006 statt.)